James T. Kirk lernt Christopher Pike in einer Kneipe kennen. Wir erinnern uns: er hatte im inzwischen nicht mehr ganz so neuen Star-Trek-Film mit übereifrigen Sicherheitskadetten eine Saalschlacht entfesselt. Auftritt Pike. Ein Pfiff und ob seiner Autorität als Captain der Sternenflotte findet die Keilerei ein jähes Ende. Kirk wird spontan mit blutender Nase ins Gewissen geredet. Dieser merkt, dass es sich in einem Coming-Of-Age-Film befindet, fährt mit seinem Motorrad erst den Bau der Enterprise begutachten und sich dann in der Sternenflotte einschreiben. So weit, so gut. Und so glatt und geschliffen die Narration.
Doch was ist mit den Pixeln im Hintergrund – genauer: den Pixeln der Projektion, die auch nach dem Ende der Feier in besagter Kneipe weiterläuft. Man sieht sie besonders deutlich während des in klassischem Schuß-Gegenschuß aufgenommenen Gesprächs von Kirk und Pike (hinter Kirk). Übrigens auch schon im Trailer kurz nach 13 Sekunden.
Pixel? Im immerhin 23. Jahrhundert?
Der Film suggeriert demnach, dass der Pixel als solches eine so bahnbrechende und unumstößliche Darstellungsform des Digitalen ist, dass sich diese in den nächsten zwei Jahrhunderten nicht grundlegend verändern wird. Keine Veränderung, keine Neuerung, Pixel bis ans Ende der Zeiten?
Man könnte natürlich auch einwenden, der Film sei ein Kind der Jahre 2008 und 2009. Demnach bediene er sich der zu diesem Zeitpunkt aktuellen Tricktechnik. Und projiziere er nur aktuelle technologische Entwicklungen aus dem Kenntnisstand der Zeit heraus in die Zukunft und sei demnach stets im Hier und Jetzt verfangen.
Oder er nutze das „Retrofitting“, ein Stilmittel zur Erzeugung von Glaubwürdigkeit und Tiefe bei Science-Fiction-Filmen; z.B. durch, in der realen Jetztzeit hyper-moderne aber in der Filmzukunft veraltete und deswegen verrostete, Requisiten und heruntergekommene Architektur (erfunden für Blade Runner).
Jede der drei Deutungen allein wird „Star Trek“ nicht gerecht. Es ist schließlich ein riesiges „Expanded Universe“. Ein Media-Franchise, dessen Glaubwürdigkeit und Konsistenz durch unzählige Handlungsstränge in Romanen, Computerspielen und diverse andere nicht in den eigentlichen Fernsehserien behandelte Geschichten erweitert wird – aber auch ein Universum, das vor allem durch die Fantasie jedes einzelnen Fans trotz sich ergebender Unstimmigkeiten zusammengehalten wird.
Im Falle der Pixel im 23. Jahrhundert geht das z.B. so:
Wir befinden uns in Iowa der Zukunft. Obwohl sich der Bundesstaat in den letzten 200 Jahren prächtig entwickelt hat, es inzwischen immer weniger Landwirtschaft gibt, sich immer mehr Hochtechnologie niedergelassen hat (die Sternenflotte hat sich nach einigem Hin und Her dafür entschieden, ihr modernstes Raumschiff dort zu bauen), ist die hauptsächlich dörfliche bis kleinstädtische Struktur des Staates geblieben. Von der Mentalität ganz zu schweigen.
Die sich nun im Rahmen einer Exkursion dort aufhaltenden Studenten aus San Francisco sind gelangweilt. Schon nach einigen Tagen vermissen sie nicht nur den weitläufigen Campus der Sternenflottenakademie sondern auch das dortige Nachleben.
Die zwei Söhne eines in der Nähe der Schiffswerft ansässigen Farmers erkennen ihre Chance. Die beiden wissen, was die jungen Leute wollen. Sie funktionieren kurzerhand einen Schuppen zur Kneipe um. Manches zimmern sie selbst, viel replizieren sie schwarz. Nach zwei Tagen ist alles fertig und sie bestaunen eine Werk: Tische, Stühle, Bar, Billiardtisch … insgesamt vier Räume, zwei Tanzflächen. Und die Neueröffnung spricht sich schnell herum. Doch etwas fehlt. Die Wände wirken kahl und trotz der modernen Inneneinrichtung aus dem Replikator kann das Etablissement seine Dörflichkeit nicht verbergen.
Da fallen dem einen der Brüder plötzlich die Projektoren des Großvaters ein. Weiß Gott wofür die früher verwendet wurden. Aber sie verpassen der Kneipe schließlich einen ansprechenden und individuellen Look, immerhin ist „retro“ gerade mal wieder angesagt, besonders in San Francisco.
Pixel im 23. Jahrhundert? Wieso nicht? Das Universum ist gerettet.